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Eine Lehre bei der Goldschmiede Säuliamt

Wer eine Lehre als Goldschmied anfangen möchte, sollte sich genau über die Voraussetzungen dafür informieren. Hier einige Voraussetzungen:

Schulabschluss mindestens Sek A oder gleichwertig. (Dies ist erforderlich, weil in der Schule sonst der Schulstoff nicht bewältigt werden kann.  Nur ein  guter Abschluss der Lehre bringt nach der Lehre einen Arbeitsplatz.)
sehr gute Fähigkeiten in dreidimensionalen Zeichnen  und Handwerk
gutes Dreidimensionales Denken
gute bis sehr gute Auffassungsgabe, gutes Gedächtnis
Ausdauer und Wille zum genauen Arbeiten
der feste Wille, ein guter Goldschmied zu werden
von Vorteil ein Schnupperkurs bei der ERFA-Gruppe                         PDF Anmeldeformular

Wir erwarten eine schriftliche Bewerbung. Dazu bitte ein Zusatzblatt, auf dem Sie von Hand aufschreiben, warum Sie Goldschmied werden wollen, was Sie für Fähigkeiten dazu mitbringen, und warum Sie meinen, für diesen Beruf geeignet zu sein. Es wäre zudem gut, wenn Sie sich schon jetzt damit auseinandersetzen, wie Sie sich Ihre Zukunft nach der Lehre vorstellen.

Eine Lehre als Goldschmied fordert von Ihnen alles.  Neben dem Arbeiten und der Schule ist in der Freizeit noch ein Arbeitsbuch zu führen und der Schulstoff zu repetieren.  Wir wünschen uns am morgen ausgeschlafene Lehrlinge und immer Ende des Monats ein nachgeführtes Arbeitsbuch.  Wir sind nicht daran interessiert, Lehrlinge auszubilden, nur damit eine Lehre gemacht werden kann, dafür ist uns unser Wissen und Können zu schade.
Wir müssen auch auf die Unterstützung der Eltern setzen, denn es braucht einen Rückhalt in der Familie und auch finanzielle Unterstützung. Das Werkzeug am Anfang der Lehre kostet ca. 1'000.--, für das die Eltern aufkommen müssen. Danach sollten während der Lehre diverse Zusatzkurse besucht werden, die normalerweise nicht durch die Lehrfirma bezahlt werden. Der Lohn als Lehrling ist relativ bescheiden. Im Verlauf der Lehre muss immer wieder zusätzliches Werkzeug beschafft werden, das entweder der Lehrling selbst, oder dessen Eltern bezahlen müssen.

Bei uns im Atelier besteht eine Richtlinie in Sachen Kleider und Aussehen. Da wir teueren Schmuck herstellen und unsere Kunden auch ins Atelier kommen, erwarten wir auch von unseren Lehrlingen ein dem entsprechendes Aussehen. Wir akzeptieren keinen Schmuddel-Look und auch nicht zu viel Schminke. Piercings sind nicht erwünscht.

Ein kleiner Vorgeschmack auf die Lehre ist das folgende Tagebuch eines Lehrlings.

Mein Tagebuch als Goldschmiede Lehrling


Mein 1. Lehrjahr

Mein erster Tag im Atelier besteht daraus, mich im Atelier um zuschauen und mir einzuprägen wo sich was befindet. Dann schaue ich mir mein persönliches Werkzeug an und überlege mir, was ich damit wohl alles machen werde. Der Chef erklärt mir die Maschinen und Werkzeuge. Die nächsten Wochen verbringe ich damit, aus einem grossen Messingblech Vierecke von genau 4 x 4 cm aufzuzeichnen und auszusägen. Dabei muss noch geachtet werden, dass alles im rechten Winkel ist. Auf diesen Messingplättchen zeichne ich nun gerade Striche in genau gleichem Abstand auf, Nun muss ich an den Enden der Striche kleine Löcher bohren damit ich dann genau auf den Strichen sägen kann. Beim Bohren der Löcher habe ich mir schon das erste mal in den Finger gebohrt. Mein Chef gibt mir ein Stück Pflaster und meint, dass dies nicht das letzte Mal gewesen ist. Sind ja schöne Aussichten! Die Sägeschnitte müssen absolut gerade sein. Oft bin ich von meiner Arbeit überzeugt, mein Chef findet aber immer wieder eine Stelle, die noch nicht so gut ist. Beim sägen stelle ich fest, dass meine Finger immer da sind wo sie nicht sein sollten. Dies merke ich immer erst dann, wenn ich mir schon in den Finger gesägt habe. Erst wenn ich gerade Sägen kann, darf ich runde Bogen oder Zig-Zack-Linien sägen. Mein Chef sagt, es ist unabdingbar gerade zu sägen. Dies erspart sehr viel Zeit mit nachträglichem Feilen und man hat weniger Materialverlust. Da ich immer dazu aufgefordert werde, zu denken, dass ich mit Gold arbeite und dieses Material teuer ist, bin ich bedacht darauf, das Material gut einzuteilen. Auch muss ich aufpassen, dass ich nicht so viele Sägeli abbreche. Ich muss also immer den Sägebogen gerade halten und darf diesen nicht verkanten.

Wenn mein Chef davon überzeugt ist, dass ich sägen kann darf ich mich einer neuen Aufgabe widmen. Nun muss ich aus einem Messingstab diverse Muster feilen. Diese müssen zuerst akkurat aufgezeichnet werden. Wenn ich z.B. Dächli feilen muss, muss jedes Dächli gleich gross sein und mindestens 5 Stück aneinander. Dann beginnt das Feilen. Zuerst nehme ich eine grobe Feile, damit ich schnell ein Ergebnis habe. Erst wenn alles grob vor gefeilt ist, beginne ich damit mit einer feineren Feile so exakt wie möglich zu feilen. Ich muss immer aufpassen, dass ich nicht zu viel abfeile. Diese Uebungen abwechselnd mit Sägen und Bohren begleiten mich im im ersten Halbjahr meiner Lehre. Damit ich auch mal etwas Abwechslung habe, werden die Techniken miteinander kombiniert.

Auch beginne ich damit Einpassübungen zu machen. Hier zeichne ich auf ein Messingplättchen eine Form auf, die ich dann aussäge. In die so entstandene Lücke muss ich nun ein Teil in Silber einpassen. Dieses wird ausgesägt und so lange gefeilt, bis es bündig in der Lücke passt. Je weniger Licht durch die Spalte fällt, je besser habe ich gearbeitet. Dadurch wird mir klar, dass es besonders auf die Genauigkeit ankommt. Wenn ich nicht genau säge und feile, passt dieses Teil nie.

So, nun habe ich 3 Grundtechniken gelernt, auf die es besonders ankommt. Nun geht es ans löten. Ich bin mir bewusst, dass eine heisse Flamme, und heisses Material sehr viel anrichten können. Ich passe darauf auf, dass meine Haare nach hinten gebunden sind und ich keine weiten Ärmel habe. Ich passe auf, dass ich nicht unter der Lampe löte, da diese schmelzen, oder Feuer fangen könnte. Überhaupt räume ich alles zur Seite, was brennen könnte. Nun muss ich verschiedene Stäbe zusammen löten. Dabei kommt es darauf an, dass das Lot weder zu wenig noch zu viel erhitzt wird. Ich sollte eine saubere Lötung hinkriegen, ohne dass man viel davon sieht. Am Anfang verschmoren mir die Stäbe, das Lot fliesst nicht und ich bin kurz davor aufzugeben. Zudem habe ich mir meine Finger verbrannt, weil ich ein heisses Teil angefasst habe. Ich denke mir, dass dieser Beruf doch nicht so schön ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Mein Lehrmeister erklärt mir nochmals alles ganz genau. Er zeigt mir, welche Farbe die Flamme haben muss und sagt mir, wenn ich die Flamme vom Werkstück wegnehmen muss. Ich übe noch mit anderen Teilen wie Stäben, Plättchen und Bändern. Irgend wann kommt dann doch noch der AHA-Effekt und ich bin überzeugt, dass ich auch diese Hürde geschafft habe.

Nun kommt noch das Biegen von Draht. Nach einer Vorlage muss ich einen Draht in die gewünschte Form biegen. Dabei muss ich aufpassen, dass der Draht von der Zange nicht völlig verschandelt ist. Ich muss lernen den Draht so zu biegen, dass keine oder nur wenige Ansätze der Zange zu sehen sind. Hier muss ich mir auch gut überlegen, welche Zange ich für welche Biegung am besten benütze.

So nun kommt noch die verformende Technik. Ich schlage runde Plättchen aus Silber aus, aus denen ich eine Kugel formen soll. Mein Chef hat dazu Matrizen in denen ich eine Halbkugel mit Punzen und Hammer formen kann. Für eine Kugel benötige ich 2 Stück Halbkugeln. Diese müssen dann auf einem Stück Schleifpapier abgezogen werden, damit sie aufeinander passen. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, an dem lange Fingernägel endgültig vorbei sind. Die Fingerkuppen habe ich mir beim schmirgeln auch noch aufgerissen. An jedem Finger klebt nun ein Pflaster. Dies ist gar nicht so einfach, denn es soll eine Kugel werden und kein Ei.

Nun ist wieder Feilen angesagt. Mein Chef braucht ein Muster für einen Alliance-Ring. Ich säge einen Silberstreifen in der gewünschten Breite und Dicke von einem Blech ab und forme diesen Streifen zu einem Ring. Dabei muss ich darauf achten, dass der Ring schön rund ist und die richtige Grösse hat. Mit der Feile wird der Ring aussen geglättet. Nun muss der Umfang des Rings durch die Grösse der Steine plus dem Fassrand geteilt werden. Hier muss ich sehr präzise vorgehen, da sonst der Fasser die Steine nicht im gleichen Abstand fassen kann. Nun wird noch die Dicke der Griffe festgelegt und angezeichnet. Jetzt kann ich mit dem Feilen anfangen. Dies ist eine äussert mühsame Arbeit. Die Augen werden schnell müde vom genauen hinsehen und mein Handgelenk tut auch schon weh. Ich darf keinen Fehler machen, sonst muss ich nochmals von vorne anfangen. Nach ziemlich vielen Stunden habe ich den Ring endlich fertig. Mein Chef schaut sich den Ring an und meint, das kannst du gleich nochmals machen. Teile genauer ein, dass die Abstände der Steine besser stimmen und feile genauer. Ich schaue mir meinen Ring an und habe immer noch das Gefühl, dass er ja richtig schön geworden ist. Erst als mir mein Chef sagt, ich solle die einzelnen Höhen und Breiten mal nachmessen, wird mir klar, dass jedes Teil verschieden ist. Also beginne ich wieder am Anfang. Wenn dieser Ring Gold gewesen wäre, hätte mein Chef jetzt einen grossen Verlust gehabt.

Jetzt kommt das Walzen verschiedener Ringschienen.. Hierbei muss auf das Material geachtet werden, Wenn man das Material zu lange ohne Zwischen glühen walzt bekommt es Risse. Solche Risse dürfen aber in einem Schmuckstück nicht vorhanden sein. Man muss also ein gutes Gespür haben, was welches Material verträgt. Lieber einmal zu früh glühen als zu spät. Ich habe auch festgestellt, dass ich auch hier auf meine Finger achten muss. Die sind schneller zwischen den 2 Walzen als ich denken kann. Und dies gibt hässliche blaue Flecken, die auch noch ganz schön weh tun. Nachdem ich die Schiene gewalzt und anschliessend gefeilt habe, darf ich das erste Mal polieren. Puh ist das ein Dreck. Meine Finger sind von der Polierpaste ganz schwarz. Auch im Gesicht habe ich den Staub. Unter meinen Fingernägeln sitzt die Polierpaste am besten und sie ist fast nicht mehr weg zubringen. Soll ich so nach Hause gehen? Der Schmuck in den Schaufenstern sah doch immer so schön aus. Ich hätte nie gedacht, dass es bei der Herstellung so viel Dreck gibt.

So nun ist mein erstes Lehrjahr vorbei. Ich habe viel gelernt und auch gelitten. Es gab schöne Erlebnisse und auch viele die frustrierten. Oft war ich nicht genau genug und musste das Teil nochmals machen. Für mich habe ich in diesem Jahr einen Ring angefertigt, den ich ganz nach meiner Vorstellung gestalten durfte. Das hat mir besonders gut gefallen. Nun habe ich erst einmal Ferien und danach werde ich sehen, was ich im 2. Lehrjahr alles lernen kann. Ich denke, dass ich ja jetzt alle Techniken beherrsche und endlich anfangen kann Schmuck zu machen. Mein Chef ist da allerdings anderer Ansicht. Er sagt, du musst noch viel lernen und eine gewisse Routine bekommen. Dann kannst du einfache Schmuckstücke machen. Bevor du aber mit Gold arbeiten kannst musst du mir erst beweisen, dass du es kannst und keinen Ausschuss produzierst. Demnach werde ich auch noch im 2. Lehrjahr mit Messing und Silber üben.

Fortsetzung folgt.